„Im Namen der
Bekämpfung „illegaler“ Einwanderung setzen Regierungen repressive Verfahren ein
und weiten die Grenzen wohlhabender Nationen durch Internierungslager,
Vertreibungen, Abschiebungen und Selektion von Arbeitskräften aus.“ (aus dem Aufruf von Bamako/ Mali zu Migration beim
polyzentrischen Weltsozialforum, Januar 2006)
Das europäische
Migrationsregime macht aus MigrantInnen „Illegale“. Eine der wesentlichen
Maßnahmen der EU- Behörden gegen Wanderungsbewegungen und Kämpfe von
MigrantInnen ist zur Zeit die Errichtung von Lagern und anderen, der Kontrolle
von Migration dienenden, Einrichtungen und Maßnahmen außerhalb Europas in
afrikanischen und osteuropäischen Ländern („Externalisierung“).
Als im Oktober letzten
Jahres Tausende von MigrantInnen und Flüchtlingen gemeinsam die Grenzzäune der
spanischen Enklaven in Ceuta und Melilla stürmten, gelangten die entscheidenden
Forderungen nach Bewegungsfreiheit und gleichen Rechten unmißverständlich an die
Öffentlichkeit- wenigstens für kurze Zeit. Die unmenschlichen, barbarischen
Reaktionen, die tödlichen Schüsse und Massendeportationen in die Wüste
spiegelten die Eskalation des Konfliktes und die Krise des europäischen
Migrationsregimes wider.
Doch existiert auch ein
fortlaufender Prozeß der Unterminierung des Migrationsregimes- nicht nur von
„außerhalb“ der Grenzen, sondern auch von innerhalb. In ganz Europa finden fast
täglich soziale und politische Kämpfe statt, Proteste und Kampagnen gegen Lager
und Abschiebungen, für das Recht auf Asyl für Frauen und Männer, für
Legalisierung, für europäische Bürgerrechte, die auf Wohnort und nicht auf
Nationalität basieren, und gegen die Ausbeutung migrantischer ArbeiterInnen.
Diese Kämpfe gehen weit über ein eng gefaßtes Verständnis von europäischer
Identität hinaus.
Unser neuer gemeinsamer
Aufruf zu einem Aktionstag schließt sich an die Mobilisierungen vom 31. Januar
2004 und 2. April 2005 an, den ersten und zweiten MigrationsAktionsTag, den wir
in über fünfzig Städten Europas abhielten. Beim Europäischen Sozialforum in
Athen im Mai 2006 wurde Migration zum ersten Mal mit einem eigenen thematischen
Schwerpunkt behandelt. Ein wachsendes Netzwerk von Initativen, die sich mit
Migration beschäftigen, beschloß bei der Abschlußversammlung, einen weiteren
Schritt zu machen und Aktionen rund um den 7. Oktober zu
koordinieren.
Unter Berücksichtigung
spezifischer regionaler und nationaler Bedingungen und der Umstände, unter denen
verschiedene Kämpfe stattfinden, zielt unser Aktionstag auf Widerstand auf
europäischen bis hin zu transkontinentalen Ebenen. Unsere Mobilisierung ist der
erste Schritt auf dem Weg zu europaweiten zentralen Aktivitäten, um die Idee
einer gemeinsamen Demonstration 2007 zu entwickeln, die entweder in Brüssel oder
einem anderen Ort des öffentlichen Interesses stattfinden soll. Unser Ziel ist
es, Europa als Ganzes anzusprechen, nicht nur die Regierungen der Länder.
Hinzu kommt, daß das
gewählte Datum im Oktober eine Erinnerung an die Ereignisse in Ceuta und Melilla
2005 darstellt. Wir werden besondere Anstrengungen unternehmen, um eine
Zusammen-arbeit mit Initiativen in Afrika aufzubauen. Ein Aktionstag im Oktober,
der gleichzeitig in euro-päischen und afrikanischen Städten stattfindet, wird
uns helfen, beim nächsten Weltsozialforum in Nairobi/ Kenia im Januar 2007 einen
Themenblock „Migration“ voranzubringen.
Vor allem sind wir
entschlossen, die globale Dimension heutiger migrantischer Kämpfe zu betonen.
Daher haben wir vor, unseren Aktionstag mit den in der nächsten Zeit
stattfindenen Initiativen und andauernden Massenmobilisierungen der
amerikanischen MigrantInnenbewegungen zu vernetzen.
Der dritte Aktionstag wird
sich gegen die Aberkennung von Rechten, gegen die Kriminalisierung von
MigrantInnen und gegen alle Einwanderungskontrollen richten, und klare
Forderungen im Kontext von Bewegungsfreiheit und Bleiberecht
stellen:
-
Für
eine bedingungslose europäische Legalisierung und gleiche Rechte für alle
MigrantInnen
-
Für
die Schließung aller Internierungslager in Europa und überall
-
Für
ein Ende aller Abschiebungen und des
Externalisierungsprozesses
-
Für
eine Entkopplung der Aufenthaltserlaubnis von einem Arbeitsvertrag und gegen
„Prekarität“